lyr 3: Twitter entry “about myself” – just came to my mind
Stayed childish to stand the times
Went wildish to understand the rhymes
Under the red star guiding
lyr 2: “Überall zu jeder Zeit mit allen Waffen” von Cornelius Hertz
Dieses Prosagedicht, das ich auf dem Sommerfest des Autors entedeckte, wird vom vorigen beantwortet. Ich habe mir erlaubt, den Zeilenumbruch, falls es denn einer war, sowie die Kleinschreibung der Substantive aufzuheben; beim Übergang vom Paar zum Engel habe ich ein Komma verschoben, allerdings mit einem nur anders unlogischen Ergebnis wie im Original. Unter den Gedichten von Cornelius befindet sich noch manches, auf das Benedetti antwortet.
Verstummt schon längst all die letzten +des doch alle einst herausreißenden, +sie dann zutiefst einenden Gesangs, +von nah aus den Rändern der Seele, +von fern aus der Stille, leer und +dröhnend niedergerungen, die bunker, +zentrales Spielkasino, Zerstreuungen, +machtgestützte Grundordnung. Im Netz +von Stromstößen ausgeglüht die einst +allgemeine Phantasie. Das ist der +Zeitvertreib. Anders kann denn auch +im Verhalten jener einzigen +beiden, die jetzt noch eine Botschaft +unseres Engels erwarten, nicht beob+achtet werden als nur, wie sie mit dem +Unkenntlichmachen ihrer Schatten am +Erdboden beschäftigt sind, vertieft in +die Sinnlosigkeit, sie mit Gewalt zu +ersticken wie vermeintlich drohende Frem+de oder aufgebaute tückische Gegner, +so sehr, daß sie auch gar nicht das +Herannahen des doch ungleich bedrohende+ren Endes wahrnehmen und, wie der Engel +sich erhebt vor ihnen, schwarz und voll +verkünden, entschlossen wie ein Hahnen+schrei, läuft er quer über die offenen +mitternächtlichen Bahnsteige der Men+schen, deren Züge schon längst abgefah+ren sind, aufgestanden aus den Tiefen +aller Kerker der Welt.
lyr 1: “Verteidigung der Freude” von Mario Benedetti
Die Freude verteidigen wie einen Graben
sie schützen vor dem Skandal und der Routine
dem Elend und den Elenden
des Mangels an Übergängen
und Endgültigem
Die Freude verteidigen wie ein Prinzip
sie schützen vor der Verwunderung und den Alpträumen
dem Neutralen und den Neutralen
der süssen Schmach
und den schwerwiegenden Diagnosen
Die Freude verteidigen wie eine Flagge
sie schützen vor den Blitzen und der Melancholie
den Naiven und den Schurken
der Rhetorik und des Stillstands des Herzens
den Endemien und Akademien
Die Freude verteidigen wie ein Schicksal
sie schützen vor dem Feuer und den Feuerwehrmännern
den Selbstmorden und Totschlägen
der freien Zeit und der Unterdrückung
der Verpflichtung froh zu sein
Die Freude verteidigen wie eine Gewissheit
sie schützen vor dem Rost und dem Eisen
der berühmten Patina der Zeit
der Tücke und dem Opportunismus
den Zuhältern des Lachens
Die Freude verteidigen wie ein Recht
sie schützen vor Gott und dem Winter
den Großbuchstaben und dem Tod
den Familiennamen und den Leiden
dem Zufall
und auch der Freude
Übersetzung Michael Perkampus, anscheinend erst unter dem Eindruck des Todes von Benedetti. Ich versuche noch die Übersetzung von Reiner Kornberger, die ich stimmiger finde, zu bekommen. Als ich diese in der SoZ las, sagte ich mir, unbewußt hast Du auch in finstersten Zeiten um 2000 so gehandelt, wörtlich gegen viele der gelisteten Gegner gekämpft; Du warst positiver, als Du glaubtest, Klemens.
So, da haben wir sie:
Verteidigung der Freude
Die Freude verteidigen wie einen Schützengraben
sie verteidigen gegen den Skandal und die Routine
gegen das Elend und die Elenden
gegen die vorübergehenden und endgültigen
Abwesenheiten
die Freude verteidigen wie ein Prinzip
sie verteidigen gegen Alpträume und lähmenden Schreck
gegen die Neutralen und die Neutronen
gegen die honigsüße Niedertracht
und die schwerwiegenden Diagnosen
die Freude verteidigen wie ein Banner
sie verteidigen gegen den Blitz und die Melancholie
gegen die Naiven und die gemeinen Hunde
gegen die Rhetorik und das Herzversagen
gegen Epidemien und Akademien
die Freude verteidigen wie ein Geschick
sie verteidigen gegen das Feuer und die Feuerwehren
gegen Selbst- und andere Mörder
gegen Freizeiten und drückende Last
gegen den Zwang zur Fröhlichkeit
die Freude verteidigen wie eine Gewissheit
sie verteidigen gegen Rost und starren Schmutz
gegen die berüchtigte Patina der Zeit
gegen die Häme und den Opportunismus
gegen die Zuhälter des Lachens
die Freude verteidigen wie ein Recht
sie verteidigen gegen Gott und den Winter
gegen die Großbuchstaben und den Tod
gegen die großen Namen und die Wehleidigkeit
gegen den Zufall
und auch gegen die Freude
Aus: Cotidianas (1979); Übersetzung: Reiner Kornberger
(aus: M.Benedetti, Verteidigung der Freude. Gedichte, Bremen 1985)
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