LP extra: iiiiiiieeeeeoooouuuuuuuuu
So klang es letztens, als mein neuer alter Plattenspieler beschloß, den Tonarm nicht mehr tragen zu wollen. Genau zwischen Lee Clayton und der nächsten LP, Claytown Troupe. Mein Nachbar war gerade dagewesen, und es wirkte, als sei er der böse Geist, der den Plattenspieler dies ohne Vorwarnung tun ließ. So wird die gerade erst zwei Einträge umfassende Kategorie LP bis auf weiteres nicht fortgesetzt.
LP 2: Zuversichtlich vor Jericho
Chicago war eine Band, die ich damals nicht wirklich mochte. Erschien mir schwerfälliger noch als andere Bands des Bläser-Rocks von 1969/70. Und auch heute noch sind Blasinstrumente der schweren Art nicht mein Ding. Heute klingt mir die Band selbst aber elegant und flüssig und Könnerschaft in allen Instrumenten zeigend; selbst die Elektrokrachorgien gehen leicht runter. Aber das Können war es nicht, was Chicagos Signal war. “The whole world is watching” hört man die DemonstrantInnen vor dem Parteitagsgebäude der Democrats rufen, wie die Nationalgarde mit Tränengas gegen sie vorrückt. Es folgt eine Geschichtsereignisverdauungsjamsession. Über die ganzen ersten Alben hinweg rufen die Posaunen, Trompeten und Saxophone zur Wende der Geschichte. Sie sind dabei lässig und zuversichtlich. Das war ein Fehler. Die Band mußte tiefer in die Geschichte Chicagos ensteigen. Das war ohnehin ihr Projekt. Dabei wurde sie entdeckt. Von Kräften, die in der Darstellung dieser Geschichte glänzen wollten. Von der Mafia. Es erging ihr damit wenigstens besser als einer Bremer/Dortmunder Geschichtswerkstatt: die wurde vom SPD-Stadtrat entdeckt. Chicago blieb daher später so elegant, jedoch so kühl wie Frank Sinatra.
LP 1: Dritte Chartisten
Beim langsamen systematischen Durchhören meiner LPs (siehe Brief an Willy) auf Chartists gestoßen. Deren Album wurde 1989, vier Jahre nach der Niederlage der britischen Bergarbeiter veröffentlicht. Es verarbeitet diese aus der Sicht der Klasse für sich. Ich sehe, es gab einen syndikalistischen Reformismus des Herzens. Ein ökonomisches Klassenbewußtsein purer Art. Ich mußte fast weinen. Ich sehe auch, wie sehr der “Neoliberalismus” schon da war, bevor die Mauer fiel. In diesen letzten vier Jahren meldete sich die Arbeiterklasse erstmals und in der Weise letztmals selber zu Wort. Oft – wie schon immer nach Niederlagen in Britannien- im christlichen Gewand. Sie tat es diesmal auch im Rockgewand, obwohl sie mit ihrem langen Gedächtnis nach den Chartisten von 1855 rief. Dritte davon wird es nicht geben, wenn wir es nicht alle auf der ganzen Welt sein werden.
-
Letzte
- WirAktivierten12: Mädchen und Sozialdemokraten, sowie Rückwechsler
- WirAktivierten11: Und nu wieder positiv
- WirAktivierten10: Endlich mal was Negatives
- WirAktivierten9: Knudeldudel Liechtensteieiein
- WirAktivierten8: Scharrende Hufe
- WirAktivierten7: Konrupption
- Über das Verhältnis von Basis und Überbau in seiner Spiegelung im Bewußtsein
- WirAktivierten6: Interupption
- WirAktivierten5: Gespannte Zurückhaltung?
- WirAktivierten4: Eine Bitte
- WirAktivierten 3: Oi! Oi! Oi!
- WirAktivierten 2: Stakhanow-Arbeiter aus Berlin
-
Links
-
Archiv
- September 2009 (8)
- August 2009 (9)
- Juli 2009 (8)
- Juni 2009 (15)
- Mai 2009 (8)
- April 2009 (39)
-
Kategorien
-
RSS
RSS der Einträge
Kommentarfeed