WirAktivierten12: Mädchen und Sozialdemokraten, sowie Rückwechsler
Neu ist, daß wir mit ganz jungen Leuten ins Gespräch kommen, so um die 15, und meistens Mädchen. Sie berichten von ihren Probeabstimmungen in der Klasse und ihren Auseinandersetzungen mit CDU-wählenden Jungs. So manche ruft uns zu, ich würde Euch wählen, wenn ich könnte. Gab es auch schon zu Beginn des Wahlkampfs.
Einige Diskutanten bedienen genau das Schema von der Parole “Links wirkt!”, indem sie hoffen durch die Wahl der LINKEN die SPD wieder nach links zu drücken. Solche Leute gestehen dann manchmal, daß sie eigentlich ererbt SPD-Wähler sind. Und ihre Eltern sowie Großeltern in der SPD waren.
Bedenklich, am letzten Stand gleich drei Leute gesprochen zu haben, die diesmal zu den Grünen wechseln wollen. Einer davon war früher sogar Mitglied der PDS und stellte Ihr seine Hallen als Materiallager zur Verfügung. Zwei waren Unternehmer, einer Schulleiter.
WirAktivierten11: Und nu wieder positiv
Aus irgendeinem mir nicht mehr nachvollziehbaren Grund hatte ich für Ostertor und Steintor in Bremen zwar mit Ständen ne Woche früher angefangen, aber für die letzte Woche keine anmelden lassen. Ich schlug im dafür eingerichteten Verteiler vor, in der letzten Woche ohne Tisch zu verteilen. Aber anscheinend ist es im Wahlkampf leicht möglich, von einem Tag auf den anderen Stände anzumelden. So können wir noch mal raus. Gleichzeitig scheint die Zahl der freiwilligen VerteilerInnen des Wahlbriefs recht hoch zu sein. Und am Donnerstag läuft eine Extraverteilung vor mehreren BAGISsen (Hartz4-Quälämtern).
Nach über fünf wochen Wahlkampf nimmt man übrigens deutlich den Klassenunterschied in der Gewichtung von positiven Reaktionen auf uns zwischen den Stadtteilen wahr. Die LINKE ist eindeutig vom Proletariat mehr gemocht als vom größtenteils eigentlich auch zum Proletariat gehörenden, es aber nicht so recht wissenden Mittelstand.
WirAktivierten10: Endlich mal was Negatives
In der September-Ausgabe der Zeitung der SAV, Solidarität, Nr. 82 fand eine
Debatte “Soll Linksjugend [‘solid] sich
aus dem Bundestagswahl-kampf
der LINKEN raushalten?” pro und contra statt, in der sich der Landessprecher Niedersachsen erstaunlich negativ äußerte. Ich bitte die Form zu entschuldigen, da ich den Text aus einer pdf-Seite rauskopiert habe.
Über den Sinn und Unsinn von Wahlkampf für
eine linke Partei lässt sich sicherlich stundenlang
diskutieren. Ich will auch gar nicht bestreten,
dass es unter Umständen auch aus einer radikalemanzipatorischen
Sicht sinnvoll sein kann,
dafür zu werben, dass fortschrittliche Parteien parlamentarisch
stark vertreten sind. Als Mitglied
der Linksjugend [‘solid] sehe ich unseren Verband
idealerweise als den Teil einer radikalen
Linken, der darauf hinwirken sollte, dass sich DIE
LINKE als eine strikt antikapitalistische Partei
mit der revolutionären Perspektive, soziale Veränderungen
politisch zu begleiten, begreift. Ei-nen
solchen Anspruch an den aktuellen Bundestagswahlkampf
zu stellen, wäre selbstverständlich
angesichts der Situation der Partei ebenso
vermessen, wie es auch den gesellschaftlichen
Verhältnissen in keinster Weise gerecht werden
würde.
Die Art und Weise, wie sich DIE LINKE in den
aktuellen politischen Auseinandersetzungen und
vor allem im Hinblick auf die bevorstehende
Bundestagswahl präsentiert, nämlich als Alternative
im System statt als Alternative zum System,
wird aus meiner Erfahrung von vielen, die
im Umfeld der Partei aktiv sind, als demotivierend
für die politische Arbeit aufgefasst. Ein Wahl-programm,
das – auch wenn mittlerweile verbes-sert
– in vielen Punkten kaum radikaler ist als
das SPD-Pendant und beispielsweise auf 64 Seiten
nur ein einziges Mal den Begriff „Sozialismus“
benutzt, sollte nicht unter dem Label Linksjugend
[‘solid] beworben werden. Auch dann
nicht, wenn gleichzeitig Kritik an diesem geübt
wird.
DIE LINKE hätte die Chance, einen anderen
Wahlkampf zu führen, als das die herkömmlichen
Parteien machen. Statt genauso inhaltsleere Plakate
aufzuhängen und mit immergleichen Phrasen
durch die Talkshows der Republik zu tingeln,
sollte es darum gehen, den Menschen begreifbar
zu machen, dass ihr Kreuz auf dem Wahlzettel
nichts verändern wird, und sie für linke
Ideale und einen emanzipatorischen Lebensstil
zu begeistern. Es gilt aufzuzeigen, dass jeder
Wahlkampf im Kapitalismus eine F arce ist, wenn
er den bürgerlich-kapitalistischen Mustern folgt,
und somit den Wahlkampf der üb lichen Parteien
zu delegitimieren.
Es braucht Druck von unten. DIE LINKE hätte
die Chance gehabt, diesen zu organisieren. Stattdessen
führt sie einen Wahlkampf, der den Anschein
hat, sie wolle sich möglichst harmlos präsentieren,
um bloß nicht in der medialen Öffentlichkeit
als „linksextrem“ und „realitätsfern“ abgestempelt
zu werden. Nicht allzu schwer ist es
zu erkennen, dass damit auch die Möglichkeit
einer Koalition mit SPD und Grünen offen gehalten
werden soll, auch wenn diese bisher völlig
unwahrscheinlich scheint und von sozialdemokratischer
Seite abgelehnt wird. Somit bedeutet
Wahlkampf für DIE LINKE auch Anbiedern an
die beiden Hartz-IV- und Kr iegsparteien.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass das derzeitige
Profil der LINKEN, mit dem die Partei im
Wahlkampf agiert, meiner Meinung nach so katastrophal
ist, dass es für die Linksjugend [‘so-lid],
die laut ihrem Programm „den Kapitalismus
zerstören“ will, untragbar sein sollte, offensiv
dafür zu werben, DIE LINKE zu wählen. Im Ju-gendverband
haben sich Menschen zusammengeschlossen,
die für eine völlig andere Gesellschaft
streiten, die letztlich auch andere Formen
der Demokratie ermöglicht. Dagegen scheint es,
als ob DIE LINKE vor allem dafür kämpft, ein
Rädchen im Parlamentarismus zu spielen. Mao
schrieb einmal: „Die kommunistische Partei gründen
und entwickeln heißt eben, die Voraussetzungen
für das Verschwinden der kommunistischen Partei wie aller politischen Parteien
überhaupt vorbereiten.“ Auch DIE LINKE sollte
in ihren Wahlkämpfen deutlich machen, dass eine
starke linke par lamentarische Kraft nur Teil eines
revolutionären Prozesses sein kann. Dabei
sollte sie vom Jugendverband unterstützt werden.
Bleibt die Frage, ob Linksjugend [‘solid] trotzdem
einen speziellen Fokus auf Wahlkampfzeiten
legen soll, wie das momentan mit der Kampagne
und Bustour (www.weltretten.mobi) getan
wird. Positiv ist hierbei zu bemerken, dass tatsächlich
in Ansätzen eine Art alter nativer Wahlkampf
stattfindet, in dem mit v erschiedenen Aktionsformen
die Kampagnenthemen aufgenommen
werden. Ich hätte es allerdings produktiver
und auch spannender gefunden, wenn die Tour
zeitlich unabhängig von der Bundestagswahl
stattfinden würde, um dem Wahlkampf aus dem
Weg zu gehen. Trotzdem sind diese Art von politischer
Intervention und auch teilweise die Forderungen
der Kampagne Ansätze, mit denen sich
auch die Partei beschäftigen sollte. ■
WirAktivierten9: Knudeldudel Liechtensteieiein
EINE ERKLÄRUNG ZU DEN GESCHEHNISSEN IM BREMER LV DER LINKEN
1. Wir stellen fest, dass die Erfolge bei den Landtagswahlen vom
30.8. und die damit verbundene Hoffnung auf gesellschaftliche
Veränderungen unseren Wahlkampf für die Bundestagswahl beflügeln. Wir
erhalten mehr direkten Zuspruch; unsere Flugblätter werden gern
genommen; mehr Personen überlegen, ob sie Mitglied bei uns werden
wollen.
2. Wir fordern deshalb, diese Situation nicht dazu zu nutzen,
einen Richtungsentscheid in der Regierungsfrage in Bremen durch
Probeabstimmungen in der Bürgerschaft oder die Veröffentlichung von
Strategiepapieren vorzuprogrammieren. Über diese Frage sollte zu
gegebener Zeit nach ausführlicher Diskussion eine Mitgliederabstimmung
stattfinden.
3. Wir mißbilligen es, wenn, wie geschehen, ein in der Satzung nicht
vorgesehenes Gremium, eine Versammlung von drei von vier Kreisvorständen, mitten im Wahlkampf den Landesvorstand zu einer
Auseinandersetzung über Zuständigkeiten für diesen herausfordert.
Eine durch keine politischen Inhalte ausgewiesene Auseinandersetzung
im Bremer Landesverband lehnen wir ab.
4. Wir hoffen, daß zur Frage des Programms und zur Frage der Liste
bei den Bürgerschaftswahlen ein breites Bündnis mit ausgearbeiteten
Positionen in allen wichtigen Fragen zustandekommt.
Carsten Albrecht
Ulrike Albrecht (Habermann)
Klemens Alff
M. B.
Eva Böller
Ernst Busche
Marlies Hundt
Sönke Hundt
Bruno Kraft
Herbert Lessing
Manfred Steglich
Teja Thürmer
WirAktivierten8: Scharrende Hufe
Wir fühlen uns in diesen Tagen schon weniger aktiviert, sei es durch “Aktivierung”, sei es durch eigenen und gemeinsamen Entschluß. Weil wir daran denken müssen, was nebenbei getan wird, um Positionen für die Schlacht um die Bremer Politik nach den Wahlen zu besetzen. Irres wird lanciert: Das bekannteste Mitglied der SAV, HB, soll vom Landessprecher CS “ferngesteuert” sein. Wozu sagt man so was?
Es gab schon mal 2006 ein Papier des jetzigen Abgeordneten PE, das vor der leninistischen Doppelgefahr PDS&SAV warnte. Bitte, lieber Gott, laß es ihn jetzt nicht gewesen sein!!
Der Abgeordnete KRR wie der SAV-Sprecher HB drängen darauf, daß wir nach den Wahlen Aktivitäten entwickeln, um ein größeres Bündnis als das zum Aktionstag 17. September zustandebringen, mit Gewerkschaften, Sozialverbänden, Stadtteilinitiativen. Ziel: Eine große Demonstration mit Kundgebung vor der Bürgerschaft während der dritten Lesung des Haushalts. Jenes Haushalts, dem die Fraktion “aus Versehen” in erster Lesung zustimmte. Ist das die Ferngesteuertheit, daß zwei mal fast das selbe denken?
WirAktivierten7: Konrupption
Die Aufmarschmanöver der Heeresgruppen im Bremer Landesverband zum kommenden Kampf um die nächste Bürgerschaftsfraktion bewirken erstaunlicherweise, daß eine Atmosphäre gemeinsamen Auftretens im Wahlkampf entsteht, wie sie in der Partei seid Fusion noch nie da war. Besonders für den linken Flügel ist es sehr kuschelig. Trotz breit gestreuten Mißtrauensinfos mal von diesem gegen jene, mal von dieser gegen jenen. Es läßt sich nett mit Klaus Rainer Rupp arbeiten; netter jetzt auch mit Michael Horn. Der linke Flügel sollte alle Streicheleinheiten einsaugen und selber verkünden, wofür er sie verdient hat.
Die Gemeinsamkeit erzeugt auch der Schub an Sympathie aus der Arbeiterklasse, wie zuletzt beim Auftreten der WASG erlebt. So fasse ich Berichte von den letzten Ständen zusammen; ich ziehe es aus den Gesprächen am Rande zweier Veranstaltungen der Bürgerschaftsfraktion zum Nulltarif und zu Atomenergie auf dem Autofreien Sonntag.
Zwei warme Winde geben Turbulenzen.*
*Ist nicht von Mao Zedong oder Laotse.
Über das Verhältnis von Basis und Überbau in seiner Spiegelung im Bewußtsein
WirAktivierten6: Interupption
Schon beim Aufbauen des ersten Stands im Viertel nach den Landtagswahlen wurden wir mit Anfragen und Zuspruch umlagert. Leider unterbrach uns dann sofort ein Wolkenbruch. Jemand war so schlau gewesen, uns eine Plane mitgegeben zu haben. Papier gerettet, wir halbwegs naß. Morgen geht es weiter.
Diese Woche hat aber genauso plötzlich auch, unter Anleitung von Klaus Rainer Rupp, die Bürgerschaftsfraktion schwächlicherweise gegen ihre eigene beschlossene Absicht bei der Ersten Lesung dem Haushalt zugestimmt. Hinterher hat sich der Fraktionsvorstand um Peter Erlanson und Monique Troedel davon distanziert. Ein unterhaltsames Parlamentsschauspiel. Ob die Zustimmung zu einem Nachtragshaushalt auch quasi aus Versehen und wie unter Zwang des Magiers KRR erfolgte, wissen wir noch nicht. Klaus Rainer Rupp jedenfalls übte sofort charmant Selbstkritik – nach innen in die Partei. Öffentlich hörte es sich anders an und paßt auch besser zu einem Papier, das er mitten im Wahlkampf vorlegte des Tenors “Schwarzgelb verhindern”. Paßt ja alles hervorragend zusammen.
Wir lassen uns im Wahlkampf aber erst mal nicht unterbrechen.
Dabei ist dieser Vorgang nicht der einzige, der während des Wahlkampfs inszeniert wurde. Die AntiRupp-Fraktion=FDS+Gewerkschafter+x+y hat die Wahlen in den für Bremen überflüssigen Kreisen in diese Zeit gelegt. Und sie hatte in Gestalt der Versammlung der Kreisvorstände den Landesvorstand zum Thema herausgefordert, wer eigentlich für den Wahlkampf zuständig sei, nachdem dieser schon ein Drittel seiner Laufzeit hinter sich hatte. Dies konnte elegant durch Verweisung des Streitthemas an das sogenannte Offene Mitgliederplenum abgebogen werden.
Ich bin gespannt, was bis zum 27. September noch kommt: Wer meuchelt wen? Wer flirtet mit wem? Und ich freue mich, daß diesmal niemand sagen kann, die Parteilinke ist’s.
WirAktivierten5: Gespannte Zurückhaltung?
Von der vorigen Woche zur jetzigen hat die Beteiligung an den Ständen in meinem Viertel von doppelt auf weniger als halb abgenommen. Dabei hatten wir in einen weiteren Stadtteil expandieren wollen, da wir so viele waren.
Liegt das vielleicht daran, daß die Leute erst mal die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Saarland abwarten wollen, weil durch diese sich die Vorzeichen der Gesamtwahl stark ändern können? Die potentiellen Koalitionspartner werden zwar möglicherweise bis zum 27. September sich gegen die LINKE sträuben, aber die WählerInnen werden das nicht glauben. Es sind daher zwei massenpsycholgische Verhaltensweisen möglich: Erstens Euphorie, daß es möglich ist, die LINKE an die Regierung zu bringen, und dadurch Aufschwung auch bei der Bundestagswahl. Zweitens Enttäuschung, daß die LINKE kleinste Brötchen bäckt, und dadurch mehr Nichtteilnahme bei der Bundestagswahl. Die zweite Variante ist unwahrscheinlicher, da sie auch durch schleppendes Verhandeln der LINKEN hinausgezögert werden kann.
Die erste Variante ist die Variante der Arbeiterklasse (für Deutsche: einschließlich der Arbeitslosen), die zweite die der linken Aktivisten und der ProtestwählerInnen.
WirAktivierten4: Eine Bitte
Heute gesehen im Stadtteil Walle auf einem Plakat mit unserer Listenführerin Agnes Alpers: “Bitte nicht lügen wie die anderen.” Fürchtet der Filzstift des Volkes, es sei schon geschehen? Hopes are high.
WirAktivierten 3: Oi! Oi! Oi!
“Heyda, zeig mir mal!” erschallte es aus dem Nebenfenster des ehemaligen griechischen Imbisses mit der Aufschrift “Erfinder der Pitta-Rollo”, der jetzt trotzdem tamilisch betrieben wird. Ein Chef-Ruf. Und der Chef erblickte unsere Parole “Reichtum besteuern”. Und der Kleinbürger ward wild. Alles, was im Schulbuch über Wirtschaft steht, was am wohlhabenden Stammtisch verkündet wird, kriegte ich nun zu hören. Mit ungewöhnlicher Überzeugung.
Deutschland gehört zwar nicht zum Commonwealth, aber der aufstrebende Mensch vom indischen Subkontinent soll ja schon in den 60ern in London durch sein unstillbares Verlangen aufgefallen sein, ein ehrbarer viktorianischer shop keeper zu werden. Nicht so der sein Leben fristen wollende Mensch aus der Karibik; nicht so der gerade mit seinen Eltern in mißtrauisch begutachtete weiße Neubauten umgezogenen weiße Arbeiterjunge. Am Donnerstag konnte ich das Paki bashing der skinheads und rude boys gut verstehen.
WirAktivierten 2: Stakhanow-Arbeiter aus Berlin
Unser zweiter regulärer Stand mit meiner Beteiligung am Donnerstag auf dem Ziegenmarkt verlief unspektakulär. Möglicherweise einen netten jungen Mann für das umweltpolitische Arbeitsfrühstück gewonnen… Am Samstag beteiligten sich zwei weitere Genossen, die bisher noch nicht dabei waren, die ich aber immer mitangeschrieben hatte.
Aber dazwischen der Freitag: Das von Infokontakt zu Infokontakt immer kleiner werdende Wahlaktivmobil ist da. Als ich noch glaubte, es käme ein richtiger Bus, mobilisierte ich einige KandidatInnen (zB Harald Gatermann) zwecks schwingen von Agitationsreden. Stattdessen “Aktivierte” gewinnen. Nunja. Ne Menge weiterer Helfer waren erschienen um 13 Uhr auf der Ziege. Danach weiter in der Neustadt an einer unmöglichen Stelle im Wallpark.
Aber die Berliner (ein Bayer; eine Amerikaner; ein Iraner) hatten in Gestalt eines 17jährigen unaufhaltsamen Stakhanow-Aktivierers die Lösung mitgebracht. Dieser hielt notfalls sogar den Verkehr auf. Ich gewann nur einen, und den kannte ich schon vorher. Unterm Strich:
Donnerstag:
Bremerhaven 15
Gröpelingen 11
Freitag:
Neue Vahr 11
Viertel 22
Neustadt 17
Freitag zusammen 50. Der iranische Wirbelsturm war mit 7 x 7 nicht zufrieden und “zwang” unsere Kandidatin Thea Kleinert, die 50. zu werden.
76 also die Ernte. Ich bot mich dem freiwillig mehr als 40 Stunden unbezahlt reinkeulenden Gen. UK als Hilfe bei der Auswertung an.
GluGluGluGluGlucks!
Glukose (grich: glüküs) = Glück!! Dieser Mama-Baby-Nuckel-Schluck-Konnex vereint eine Hypersprachfamilie von den Wolof im Senegal zu den Innuit in Grönland. Auch die ältesten Restsprachgruppen im eurasischen Raum gehören zu den Glücklichen, die Korjaken, die Ainu, die Basken, die Pamir-Bewohner, die Mon, die Munda, die (Süd)Kaukasier, die Basken, die Japaner, die Koreaner. Die Ham-Sem-Kusch-Gruppe, die Indogermanen, die Finno-Ugrier, die Drawida, die Turkvölker und die Mongolische Gruppe sowieso.
Zurecht schrieb Fourier, der Kommunismus konnte vor der Möglichkeit der massenhaften Zuckerproduktion nicht erfunden werden. Seine Utopie sieht massenhaft Süßspeisen vor. (Hm, dieser entry gehört doch zur AG Brot&Torte?) Diesen Produktivkraftvorbehalt hat Engels wohl übersehen, als er über die utopischen Sozialisten schrieb; Fourier war doch schon ein bißchen wissenschaftlich.
WirAktivierten 1: Erster Auftritt
[Ich werde bis zur Wahl unter dem Titel "Wir Aktivierten" einen unterhaltsamen, kritischen und gelegentlich polemischen Wahlkampfblog als Teil meines allgemeinen führen.]
Am Donnerstag war eine Woche “zu früh” der erste Stand der Partei im legendären Bremer Viertel. Wir sind eine Woche früher als die anderen Stadtteile dran, weil ich die Organisierung vorsichtshalber selber in die Hand genommen hatte. Es ist ein pool von 16 Leuten zusammengekommen, die in irgendeiner Weise bereit sind, in den nahen östlichen Vorstädten Bremens Wahlkampf zu machen.
Der erste Moment unseres Auftritts gab mir ein Gefühl von Chaos. Eine freche Kinderbande, angeführt von einem etwa neunjährigen Mädchen mit Kopftuch, wollte Haufen giveaways abgreifen und unsere Gen. FinSek BM goß mit pädagogischen Maßnahmen Öl ins Feuer, sodaß die Kinder immer frecher wurden, während zugleich ein innerlich zorniges ehemaliges Mitglied den Direktkandidaten Bremen Süd KRR und mich in eine Einheitsfront zwang, indem er uns die Apokalypse vorrechnete und unsere Unfähigkeit ihr zu begegnen, was wir dann allerdings nicht mit sofortiger Weltrevolution, sondern durch Bildung eines “Denkraums” mit der CDU zu tun hätten. Dieser Mensch pflanzte sich auch weiter neben unserem Stand auf, als die Kinder schließlich vertrieben waren, und agitierte Leute. Er versteifte sich darauf, irgendjemandes anzusprechen und dann zur Bildung eines Denkraums zu mir oder zu KRR zu ziehen, was wir nicht anders als durch Flucht und kleine Zornesattacken von uns weisen konnten. Allmählich klangen auch diese Versuche ab.
Ich verteilte auf der gegenüberliegenden Straßenseite und hatte das Gefühl einer matten Fortsetzung des letzten (nicht EU) Wahlkampfs. Eine besondere Wahlstimmung nicht zu bemerken. Alle Standards gelten: Wenn erste Person aus einem Pulk nimmt, nehmen alle und umgekehrt.
Netteste Erlebnisse: Gruppe Mädchen von vier Nationalitäten verkündet, daß sie LINKE wählen würden, wenn sie schon dürften. Ein dezent-exzentrisch gekleidetes Pärchen bemerkt zum Paar Gysi-Lafontaine auf dem Flugblatt zu meiner zunächstigen Verdutzung: “Wenn dieses Paar sich so gut verstünde wie wir beide, dann gute Nacht.” Sie hatten sich gerade versöhnt.
B&T 7: Schwarzbrotkinder
Auf den Briefkästen in unserem Hochhaus waren drei Werke von Goethe zum Mitnehmen abgelegt worden, und so lese ich “Die Leiden des jungen Werther”. Da ist diese Szene, wo er Lotte zum ersten
mal sieht. Sie verteilt gerade Schwarzbrot an ihre kleineren Geschwister als Abendbrot, worauf diese lustig davontollen. Was mich traf: Kinder durften Abends noch rauslaufen, und daß, obwohl die Schwester gleich auch noch wegfährt. Und von wegen trauliches Abendbrot zusammen, möglichst mit allem, was der Keller zu bieten hat. Reinste Rabenmütter in der alten Zeit. So unkompliziert!
Und nicht mal mit Rosinenstuten wäre heute ein Kind aus dem Kinderzimmer zu locken.
“Hört! Hört!”
Wenn der jetzige Auftritt von bei ihr beschäftigten und für sie kandidierenden Mitgliedern der Linkspartei bei facebook Teil des öffentlichen Auftritts sein soll, so kann ich diesen nicht anders als verfehlt bezeichnen. Und man darf froh sein, daß in Wirklichkeit fast niemand etwas davon mitkriegt. Mitteilungen wie “Adelbert Heusenkamp trinkt jetzt erst mal’n Kaffee” oder “Fridoline Holperberg geht jetzt endlich ins Bett” sind ja selbst für den Freundeskreis kaum von Interesse. Das genaue Verfolgen einer Ferienreise und das Beschreiben des Alltags mit dem baby sind schon interessanter, aber nicht für WählerInnen. Beide sind auch zu intim formuliert, daß sie einer human interest campaign, wie sie Schumacher in den 50er Jahren erstmals für die SPD eingeführt hat, zu genügen. So nach dem Motto, seht mal her, auch Linke kriegen babies. Näher kommt schon derjenige, der seine Wahlkampfauftritte dokumentiert, jedoch mehr als Signal in die Partei, als Rechenschaftsbericht. Es bleibt das Posten interessanter links. Mehr ist nicht drin.
Plumps! in eine geschlossene Gesellschaft
Die LINKE ist ja vorneweg im Vergleich zu allen anderen Parteien bei der Nutzung des Netzes zum Wahlkampf und zum Auftritt überhaupt. Sie hat eine eigene facebook ähnliche Plattform geschaffen und stürzt sich gerade in letzteres. Da jedoch scheint mir, daß sie nichts anderes kann, als in ihren eigenen Dorfteich zu springen. Das Programm von fb lenkt uns zueinander und den Rest tun wir, indem wir uns gegenseitig zu Freunden machen. Von jeder Einzelperson aus hängen weitere Fäden in das sonstige Netz, die sich aber nicht so leicht heranziehen lassen. Wir können uns fb also als einen gigantischen leeren Raum vorstellen, in der in großem Abstand dicke Klumpen von verwobenen Fäden schweben; dünne Verbindungen laufen zwischen ihnen; an manchen großen Klumpen schweben kleine Klumpen als Trabanten. Wahlkampf fände also nur unter uns statt.
Demnächst zur Art des Auftretens der Leute der Partei.
Rush hour
Ich bin offensichtlich Teil einer sturzbachartigen Eintrittswelle bei facebook. Ich muß noch sehen, wie ich das in den nächsten Wochen, wenn wieder mehr Termine anstehen, in mein Leben integrieren kann. Jedoch hat es schon erstaunliche Dinge zustandegebracht. Ich habe einen ganz echten Freund gewonnen. Ich habe Leute kennengelernt, bin teilweise mit ihnen in Dialog gekommen, die ich vorher nur als Namen kannte. Ich habe für die Vierte Internationale in weit entfernten Ländern fruchtbringende Kontakte geknüpft, Genossen betreut, um die sich die internationale Leitung nicht kümmert (hoffentlich bloß deshalb, weil die Kapazitäten fehlen). Und der ganze rush hat bewirkt, daß jetzt sogar unser diskussionfeindlicher Landesverband bei facebook eine group eröffnet hat.
LP extra: iiiiiiieeeeeoooouuuuuuuuu
So klang es letztens, als mein neuer alter Plattenspieler beschloß, den Tonarm nicht mehr tragen zu wollen. Genau zwischen Lee Clayton und der nächsten LP, Claytown Troupe. Mein Nachbar war gerade dagewesen, und es wirkte, als sei er der böse Geist, der den Plattenspieler dies ohne Vorwarnung tun ließ. So wird die gerade erst zwei Einträge umfassende Kategorie LP bis auf weiteres nicht fortgesetzt.
I dreamt my chemical bride
Slumbering I dreamt, a woman gliding with her hand overmy cheek and her thumb on my chin stopped me from an orgasm she lead me into. “Will You be quiet, or must I beat that into You to always be quiet?” I was naked kneeling before her. She wore a salt-and-pepper kneelong tight skirt, as I like very much. (I use this salt-and-pepper (In German: Hahnentritt – cock’s kick) pattern on my computer screen.)I must have been whipped before that scene, because my flesh was burning. I was into a deep orgasm. But she culd stop me softly, softly.
She must be Sister Lyrica, my chemical bride.
Arterieller Druck – Venöser Druck
Ha! Ein zweiter Kompasitionsauftrag für Harald Gatermann alias Earritation! Diesmal nicht im Rahmen der AG B&T. Er kam mir während der Dialyse am Samstag, gestern.
Samples der Arbeitsgeräusche aller Dialysemaschinen, die auf dem Markt sind, erstellen. Dazu aller Alarmtonarten. Das Waschmaschinen ähnliche Geräusch des Normalverlaufs gibt einen ruhigen Grundrhythmus vor, der mit Instrumenten vorsichtig aufgebaut werden kann. Rasseln, high hats, Zupfbaß, Plätscherklavier, Klarinette, E-Gitarre.
Die tracks können den jeweiligen Unternehmen gewidmet sein: Fresenius, diese Arschlöcher; Braun; Gambro. Die können Dich sponsern und zusätzlich Deine tracks auf ihren Webseiten verwenden.
Good Kitty C is hiding
“Feral” my most read blog is missing. Did she do away with exposing her soul without reaching where she doesn’t know to want to reach?
I wish You well****************
Mädchenraub DDR
10.07.2009: Jeder für sich (Tageszeitung junge Welt).
Beim Lesen dieses Artikels fiel mir auf, daß das wohl ein Genre schon seit Zeiten der Existenz der DDR ist: die Ost-West-Liebe, bei der der Mann immer aus dem Westen, die Frau aus dem Osten stammt. So sehr, daß anzunehmen ist, unbewußt ist der ganze Osten weiblich. Besonders, seit er geschluckt wurde wie eine neue Kolonie. Die unbekannten Mädels der DDR locken mit ihrer sagenhaften Emanzipiertheit oder rufen um Hilfe gegen die Quälereien der fiesen Männer der Stasi. Die Kolonien waren ja früher auch immer selbst mysteriös weiblich. Der Nahe Osten war praktische eine einzige geschmeideblinkernde Haremsdame. Sobald die Kolonie frech wird, verwandelt sie sich in ernste bärtige Männer. Das wird unser Naher Osten wohl nicht schaffen; er ist dazu doch zu wirklich integriert.
Soziologie auf Schein
Jeder Krankenhausaufenthalt ist eigentlich ein sorgfältig geführtes Tagebuch wert. Der besondere lokale Grund wäre zur Zeit den live beobachtbaren Zerfall der Qualität unter dem mahlenden Druck der Abbaumaßnahmen und dessen Reflexion in Gesprächen des technischen, ärztlichen und pflegerischen Personals untereinander zu notieren. Das meine ich aber nicht. Sondern das Kennenlernen einer Vielzahl von Menschen aus diversen Lebensverhältnissen nach einem Zufallsgenerator – unter Ausschluß der obersten Klassen. Menschen, die in eine Situation geworfen sind, in der sie bereit sind, einander aus ihrem Leben zu erzählen. In einer Situation, die sie zugleich zwingt, die Form zu wahren, da die Grundsolidarität des Krankenzimmers Aggression unterbindet. Aus allen meinen Krankenhausaufenthalten sind mir klar umrissene Gestalten im Geiste verblieben, die dauerhaft meine sozialen Kenntnisse bereichern.
Einen Schein für das Universitätsseminar müßte man da machen dürfen können.
Einsatz und Absatz in einem Durchsatz
Zitat aus einem Sommerveranstaltungsprospekt für den Raum Bremen zur Lage der Kultur. Bitte jeden Abschnitt einzeln zu reflektieren, nicht nur den Schluß mit Genuß.
“Jana sitzt auf einem Hocker, auf dem Schoß ihr großes, altes, schwarzes Akkordeon, hinter dem sie fast verschwindet. Sie spielt und singt.Menschen bleiben stehen und hören zu. Ihr Körper wiegt sich im Rhythmus ihrer Lieder. Melancholische Lider singt sie, voller Gefühl, sehnsuchtsvoll, leidenschaftlich und kokett. Grillbüffet* mit frischen leckeren Salaten”
*Ob hier zumindest jemand gestockt hat und so gerade noch den Reim kett – fett vermieden hat? Das ü spricht dafür.
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- WirAktivierten 2: Stakhanow-Arbeiter aus Berlin
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